Gamertec Hardware News KW 10 – Von Dennis Ziesecke!

 

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Intel und Nvidia, für viele Spieler eine Traumkombination. Doch nun zeigt das Dreamteam leichte Risse in der Fassade – Nvidias GTX 970 erntete einen Shitstorm aufgrund falsch angegebener technischer Daten und einem Speicherproblem und Intel hängt mit der Prozessorfertigung etwas hinterher. Zugegeben, die Probleme sind gering angesichts der verheerenden Quartalszahlen von AMD – Prozessoren von AMD scheint abseits der Konsolen kaum noch jemand einzusetzen (ok, Projekt Exodus vielleicht, da kamen sie zur Steuerung eines Raumschiffes zum Einsatz) und die Grafiklösungen hängen in Sachen Energieeffizienz denen von Nvidia auch etwas hinterher. Doch kommen wir zum Thema: Nvidias GTX-970-Debakel und Intels 14nm-Verspätungen und die Auswirkungen.

Nvidia GTX 970 – Nicht der ganze Speicher ist wirklich schnell

 
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Als Nvidia vor kurzem die GTX 970 auf den Markt brachte, wurden darauf basierende Karten schnell zum Liebling der Masse. Nicht so teuer wie die 980, trotzdem fast so schnell und auch die technischen Daten erinnerten stark an das Topmodell. Dazu ist die 970 so energieeffizient wie schon lange keine Karte mehr. Nur 160 Watt unter Last rattert der Stromzähler herunter – so viel verbrauchten vor wenigen Jahren noch langsame Mittelklassekarten.

Dann allerdings entdeckten Nutzer ein seltsames Verhalten im VRAM der Grafikkarten. Und zwar unabhängig vom Hersteller der Karte, was auf ein Problem der GPU selbst hindeutete. Von den verbauten vier Gigabyte GDDR5-RAM können nur 3,5 Gigabyte mit der vollen Geschwindigkeit genutzt werden. Nur in diesem Rahmen kommt das 256 Bit breite Speicherinterface komplett zum Einsatz, die verbleibenden 512 Megabyte werden deutlich langsamer angesprochen. Nach einigem hin- und her bestätigte Nvidia den limitierten Speicher der GTX 970 dann auch öffentlich. Einige Händler boten daraufhin eine kulante Rücknahme der 970-Karten an. An den Benchmarkergebnissen zum Release ändert das Speicherproblem übrigens nichts, die 970 ist weiterhin eine sehr gut und schnelle Karte. Zumindest solange ein Spiel nicht mehr als 3,5 Gigabyte VRAM nutzt. Wird mehr Speicher benötigt, bricht die Leistung teils spürbar ein. Nvidia betont zwar, dass ein Nachpuffern aus dem Arbeitsspeicher noch langsamer wäre – allerdings wäre es wohl nur fair gewesen, die Karten mit 3,5 Gigabyte zu bewerben anstatt mit faktisch unnutzbaren 4 Gigabyte.

Dazu gesellt sich ein weiteres Problem: Nvidias PR-Abteilung und die Technikabteilung scheinen nicht sonderlich effektiv zu kommunizieren. So verfügt die GTX 970 zudem über weniger L2-Cache als beworben und auch die Anzahl der ROPs (hilfreich bei hohen Kantenglättungsmodi) ist geringer als angegeben. Statt 2048 Kilobyte Cache verfügt die 970 über nur 1792 Kilobyte, statt 64 ROPs sind es nur 56 der Rastereinheiten. Auch hier: Es ändert sich nichts an den guten Benchmarkergebnissen der Karten, es verbleibt aber ein etwas schaler Geschmack. Immerhin wurden die Karten mit besseren technischen Daten beworben als tatsächlich vorhanden sind. Ebenfalls ein Grund zur Rückgabe, sollte das moralische Gewissen arg zwicken. Ãœbrigens: In Deutschland scheint kaum jemand von eben dieser Rückgabemöglichkeit gebrauch zu machen. Offenbar reicht die Leistung den deutschen Gamern vollkommen aus. Oder man lässt sich hierzulande gerne übers Ohr hauen – denn eigentlich sollte einem Hersteller eine solche Produktpolitik nicht durchgehen dürfen.

Intel hängt – Broadwell könnte bald von Skylake abgelöst werden

 
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Was die Fertigung in immer kleineren Strukturbreiten angeht, ist Intel bei den Prozessorherstellern federführend. Die aktuellen Broadwell-Prozessoren (geschrumpfte Haswells mit flotterer Grafik und geringerer Energieaufnahme) beispielsweise werden in beeindruckend schmalen 14nm gefertigt. Bedeutet: Der Abstand zwischen den einzelnen Leiterbahnen beträgt maximal 14 Nanometer. Hier dürften selbst Superhelden ohne adäquate Sehhilfe Probleme beim Erkennen haben. Kleinere Strukturen bringen aber auch zahlreiche Probleme mit sich. Das durfte Intel beim Wechsel auf 14nm feststellen: Die Einführung von Broadwell verzögerte sich um ein gutes halbes Jahr. Erst seit kurzem sind erste mobile Broadwell-CPUs auf dem Markt, Desktopbesitzer warten jedoch weiterhin verzweifelt. Und das, wo doch die neuen Intel-Chipsätze der 90er-Serie explizit als Broadwell-ready verkauft wurden.

Letzten Endes könnte Broadwell eine der kurzlebigsten CPU-Serien von Intel werden: Schon in wenigen Monaten soll Skylake-U, die ultramobile Version der nächsten CPU-Generation, vorgestellt werden. Broadwell-U wäre damit nur etwas über ein halbes Jahr im Einsatz. Nachdem Intel bis zum Release von Skylake den 14-nm-Prozess im Griff haben dürfte, werden sich wohl entsprechende Desktop-Prozessoren schneller auf dem Markt einfinden als bei Broadwell. Bedeutet: Eventuell erscheinen Broadwell-Desktop-CPUs gar nicht erst, was Käufer eines entsprechenden Mainboards etwas die Zukunftsperspektive rauben dürfte. Skylake wird wohl neue Chipsätze erfordern. Da Skylake auch DDR4-Support mitbringen wird, ist aber eh ein neues Board und wohl auch ein neuer Prozessorsockel fällig.

Fazit: Broadwell kaufen lohnt nicht. Wer noch ein wenig warten kann, wird in wenigen Monaten mit Skylake nicht nur einen halbherzigen Shrink kaufen können sondern eine gründlich überarbeitete CPU-Architektur in 14nm. Dazu gibt es DDR4-Support auch im Mainstream. Schon lange war eine Intel-Prozessorgeneration so wenig empfehlenswert wie Broadwell gerade.
 

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