Gamertec Hardware News KW 35 – Von Dennis Ziesecke

 

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In sieben Tagen können sich auf dem Hardwaremarkt viele Dinge ereignen. Wir fassen an dieser Stelle die interessantesten Meldungen der vergangenen Woche für Euch zusammen. Nach 143 Ausgaben der HW-News auf einer größren Gaming-Webseite zieht diese Rubrik nun um zu Gamertec – wer den HW-Roundup bereits kennt, wird sich sofort wohl fühlen, alle neuen Leser dürfen sich jetzt herzlich gegrüßt fühlen.
 

In dieser Ausgabe zeigt sich das Ende des Hardware-Sommerloches: AMD und Intel haben interessante neue Produkte vorgestellt, Nvidia steht kurz vor dem Release einer neuen Grafikkartenserie. Das Weihnachtsgeschäft steht kurz bevor – das zeigt sich nicht zuletzt an den im Lebensmittelgeschäft einmarschierten Armeen aus Schokoweihnachtsmännern und Spekulatius aber auch an frischen Computerprodukten, die den Gamer zur spontanen Ãœberprüfung der eigenen Kreditwürdigkeit bringen sollen.
 

Angesichts der Preise für Intels Haswell-E-Prozessoren sollte der Dispo auf dem Konto aber nicht zu schmal ausfallen, Intel verlangt satte Server-Preise für die Luxus-CPUs. Günstiger und dazu noch stromsparend geht es bei AMD zu. Dort wirft „Tonga“ bereits etwas Licht auf die kommende neue Grafikkartenserie. Nvidia hingegen hat seinen Vorabrelease der Maxwell genannten kommenden GPUs bereits hinter sich und wird noch in diesem Monat gleich mit einer komplett neuen Serie auf den Markt drängen. Doch genug der Inhaltsangabe, wir können auch ausführlich:
 

Intel Haswell-E – Acht Kerne, DDR4, hohe Preise

 

Neben den gängigen Core-i-Prozessoren für klassische Desktop-Systeme bietet Intel in so gut wie jeder Generation einige näher am Server orientierte Highendprozessoren. Diese CPUs eignen sich zwar auch für Desktop-Rechner, orientieren sich aber oft an den Bedürfnissen professioneller Anwender und bieten meist kompromisslose Performance zum kompromisslosen Preis.
 

Nun ist es wieder soweit: Intel hat mit Haswell-E die moderne Entsprechung der legendären Extreme-CPUs früherer Tage präsentiert. Die Neuzugänge benötigen zwingend ein Mainboard mit dem Sockel 2011-v3, lohnen sich also am ehesten für komplette Neusysteme. Erstmals im Privatkundenbereich unterstützt Intel hier DDR4-RAM mit bis zu 2133 Megahertz – und das sogar im Quad-Channel-Modus für extreme Speicherbandbreiten.
 

Die Taktfrequenzen der neuen Topmodelle hingegen fallen eher konservativ aus: Der Core i7-5820K taktet mit 3,3 Gigahertz (Turbo: bis zu 3,6 Gigahertz), der i7-5930K taktet mit 3,5 / 3,7 Gigahertz und der gut 1000 Dollar teure Core i7-5960K kommt auf 3,0 / 3,5 Gigahertz. Die Qualitäten von Haswell-E liegen aber nicht beim Takt sondern bei den verbauten Rechenkernen. Während die beiden erstgenannten Prozessoren 6 echte Rechenkerne sowie Hyperthreading (so dass 12 Threads simultan verarbeitet werden können) bieten, kommt das Spitzenmodell auf 8 Kerne / 16 Threads. Rekord im Desktop-Bereich!
 

Moment, da murmelt doch jemand „Aber AMD..“? Sicherlich, mit den 8000er-FX bietet AMD schon länger Achtkernprozessoren sogar zum Schnäppchenpreis an. Allerdings arbeiten diese in Modulbauweise, verfügen also nicht über acht vollwertige Rechenkerne. In jedem Modul werkelt ein vollwertiger Core zusammen mit einem abgespeckten Rechenkern, dem beispielsweise die für Spiele nicht unerhebliche Fließkommaeinheit fehlt. AMD hat sich also für eine Art „Luxus-Hyperthreading“ entschieden und vermarktet das etwas irreführend. Echte Achtkernprozessoren sind die FX indes nicht. Und von der Pro-MHz-Performance der Haswells ist AMD (leider) sowieso weit entfernt.
 

Haswell-E bietet neben DDR4, vielen Cores und einer bei entsprechenden Anwendungen recht beachtlichen Leistung noch weitere Vorteile, über die sich gut betuchte Gamer freuen dürften. Die teureren Versionen der Haswell-E-i7 unterstützen bis zu 40 PCIe-Lanes der Version 3.0, so dass sich Systeme mit drei oder vier Grafikkarten mit nur geringen Einbußn bei der PCIe-Geschwindigkeit basteln lassen.
 

Einen neuen Kühler sollte der Haswell-E-Käufer ebenfalls einplanen: Gegenüber den Vorgängern der Ivy-Bridge-E-Serie steigt die TDP von 130 auf 140 Watt an. Soll das System übertaktet werden, ist ein Luxuskühler aber ja eh Pflicht.
 

Preislich beginnt der Haswell-E-Spaß bei gut 350 Euro für das kleinste Modell mit 6 Rechenkernen und nur 28 PCIe-Lanes. Dazu kommen die noch sehr hohen Preise für DDR4-RAM sowie ein Board mit dem Sockel 2011 in Version 3.0 und einem X99-Chipsatz von Intel. Ein günstiger Spaß ist ein solcher Rechner nicht, dafür gibt es aktuell kaum eine Möglichkeit an derart viel Leistung für Multithreading zu kommen.
 

AMDs Tonga aka Radeon R285 erschienen

AMD-Tonga
 

Viel unübersichtlicher lässt sich eine Grafikkartengeneration nicht gestalten – AMD hat in den letzten Monaten wirklich alles unternommen, um potentielle Kunden zu verwirren. Spoiler: Es ist ihnen hervorragend gelungen!
 

So besteht das aktuelle Angebot sowohl aus älteren GPUs für preiswerte Office-Karten sowie moderneren Chips mit GCN-Architektur für anspruchsvollere Nutzer. So wird die R7-Einstiegsklasse von „Oland“ angetrieben, bei den größren Modellen wird’s dann komplizierter. So entspricht die R7 260X einer Radeon HD 7790 mit etwas höheren Taktraten. Die GPU nennt sich bei beiden Karten „Bonaire“. Die R9 270X basiert auf der älteren Radeon HD 7870 mit kleineren Verbesserungen. Die R9 280X ist nichts anderes als ein leicht überarbeiteter HD 7970 (und die non-X-Modelle stufen sich jeweils eine Klasse darunter ein). Erst die R9 290 und 290X haben komplett neue Chips verpasst bekommen: Hawaii arbeitet ein gutes Stück schneller und greift auf ein 512 Bit breites Speicherinterface zurück, frisst aber enorm viel Strom unter Last.
 

Noch wach? Ok. Mit der R9 285 ist nun ein weiterer Vertreter der Serie erschienen. Deren „Tonga“ genannter Grafikchip wurde von AMD offenbar primär als Konter auf die stromsparenden Maxwell-GPUs von Nvidia entwickelt. Weniger Leistungsaufnahme bei etwas höherer Performance gegenüber der R9-280 verspricht AMD.
 

Was sollen wir sagen, es ist ihnen tatsächlich gelungen. Die Energieaufnahme unter Last sinkt von 250 Watt (R9 280) auf 190 Watt (R9 285) während die Leistung im Mittel um die 10 Prozent ansteigt. Und das, wo fast alle technischen Daten sich schlechter lesen als bei der R9 280: Weniger Takt, kleineres Speicherinterface, weniger Bandbreite, gleiche Menge Shader. Das spricht für größre Ãœberarbeitungen unter der Haube. Tatsächlich integriert AMD beispielsweise eine verlustfreie Farbkompression, so dass das energiehungrige Speicherinterface der R9 280 (384 Bit) auf 256 Bit geschrumpft werden konnte ohne an Leistung zu verlieren. Einziger Nachteil, vor allem bei hohen Auflösungen: Die Tonga-Karten werden nun nicht mehr mit 3 sondern mit 2 Gigabyte VRAM ausgeliefert und brechen entsprechend flotter ein wenn zuviele Pixel berechnet werden müssen. Modelle mit 4 Gbyte dürften nicht lange auf sich warten lassen, werden aber teurer.
 

Der Preis ist dann auch das größte Manko zum aktuellen Zeitpunkt: Mit 249 US-Dollar UVP liegen die ersten Modelle der R9 285 hierzulande bei etwa 230 Euro. Die R9 280X ist etwa gleich teuer, die R9 280 gibt es schon für unter 180 Euro. Bis die Einsparung durch den geringeren Energiebedarf der Tonga-Karten wieder auf dem Konto ist, hat der durchschnittliche Gamer seinen PC schon vier, fünf mal komplett erneuert. Und auch Nvidias Geforce 760, welche etwas langsamer als Tonga arbeitet, ist preislich aktuell ein wenig interessanter. Und dann droht von einer weiteren Front Ungemach für AMD:
 

Nvidia wird Geforce-900-Serie noch im September vorstellen

 

Mit Maxwell ist Nvidia bereits ein beachtlicher Testballon zur neuen Maxwell-Generation gelungen. Die Geforce 750 und 750 Ti bieten für viele weniger am Highend orientierte Spieler genug Leistung für FullHD-Gaming, kosten nicht viel mehr als 100 Euro und sind so energiesparend wie schon lange keine Grafikkarte mehr. Zum Vergleich: Die GTX 750 Ti arbeitet etwas schneller als eine Geforce GTX 560 Ti, benötigt unter Last aber nur so viel Strom wie die 560 Ti wenn zwei Monitore angeschlossen sind und die Karte ansonsten absolut gar nichts zu tun hat.

Ein gutes Zeichen für kommende Maxwell-Karten – vor allem, wenn Nvidia aufs Energiesparen zugunsten höherer Leistung verzichtet.
 

Mittlerweile häufen sich die Gerüchte, die neue Geforce-Generation könne bereits am 19. September diesen Jahres vorgestellt werden. So hat Nvidia ein Event namens Game24 angekündigt, das am besagten Termin stattfinden soll. Zudem startete Nvidia eine Maxwell-Teaser-Homepage und es finden sich von Nvidia verbreitete Hashtags mit der Bezeichnung #maxwelliscoming.
 

Nachdem der Hersteller allerdings bereits eine GTX-800-Serie für Notebooks auf dem Markt hat, munkelt die Gerüchteküche von einer Präsentation als 900er-Serie. Die 800er-Serie würde damit im Desktop-Bereich genauso ausfallen wie einst die 300er-Serie.