Gamertec Hardware News KW 38 – Von Dennis Ziesecke

 

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Mobil ist in

Stromsparende Hardware, kleine aber flotte Rechner, Gamingnotebooks und Handys mit der Grafikleistung der letzten Konsolengeneration sind bereits im Alltag angekommen. Ein wenig schade ist dabei nur, dass die Zeiten der mehr als unterhaltsamen LAN-Partys im Freundeskreis mangels LAN-Mehrspielermodus schon seit einiger Zeit vorbei sind. Ehrlich, wären wir nicht alle vor ein paar Jahren froh gewesen, statt eines kleinkindgroßn Bigtower und dem dazugehörigen 19 Zoll Röhrenmonitormonster einen Mini-PC mit TFT zum Kumpel schleppen zu dürfen? Wie wäre es mit einem Aufruf an die Spielehersteller:

Wir wollen wieder lokalen Multiplayer! Mehr LAN für mehr Party!

Heute stehen Netzwerke in jedem Haushalt, damals mussten wir noch bangen dass der alles entscheidende Endwiderstand nicht ausgerechnet dem Mitspieler gehörte, der als erstes nach Hause musste.
 

Genug in der Vergangenheit gewühlt, genug fabuliert. Wenden wir uns wieder der Gegenwart zu: PCs werden noch kleiner! Das wäre doch was für LAN-Partys – oh sorry, das Thema war ja bereits vorbei. Ebenfalls im Programm: Erste GTX-900-Karten zeigen sich in der Öffentlichkeit und sogar erste Benchmarks sind aufgetaucht. Und natürlich das übergeordnete Thema der letzten Woche: Apple hat das iPhone 6, ein Phablet mit 5,5“ und eine eigene Smartwatch vorgestellt. Wuhu!
 

Intel Core M im Benchmark

 

Lange konnte AMD sich nicht zurücklehnen mit der Grafikleistung der hauseigenen APUs: Intel holt vor allem bei der Grafikleistung seiner Mobilprozessoren kräftig auf. Besonders beeindruckend sind die Core M genannten Ultramobilprozessoren, dessen Topmodell Core M 5Y70 auf dem IDF 2014 im Benchmark seine Muskeln spielen lassen konnte. Der Winzling soll mit einer TDP von gerade einmal 4,5 Watt ausgeliefert werden, Intel gönnte dem Prozessor für bessere Testergebnisse allerdings 6 Watt. Die Ergebnisse entsprechen also nicht ganz den Werten, die von tatsächlich im Handel zu erwerbenden Endgeräten erreicht werden.
 

Die höhere TDP wirkt sich beim Core M nicht auf den Basistakt aus, sondern nur auf die maximal erreichbare Turbostufe (und damit auch direkt auf die Grafikleistung der integrierten GPU. Der Basistakt liegt bei bescheidenen 1,1 Gigahertz, per Turbo geht’s auf maximal 2,6 Gigahertz hoch. Hersteller können bei ihren Produkten die TDP im gewissen Rahmen wählen und so für besonders flache Geräte etwas niedrigere Werte, im Gegenzug aber auch höhere Werte festlegen. Der Core M 5Y70 verfügt über zwei Rechenkerne, beherrscht aber Hyperthreading um vier Threads simultan abarbeiten zu können. Im Test zeigte sich die gegenüber Haswell verbesserte Architektur: Der 5Y70 erreicht im Cinebench Werte, die sogar an einen Haswell-Pentium G3258 mit zwei Kernen und zwei Threads heranreichen.
 

Spannender wird’s bei der Grafikleistung im 3D Mark Ice Storm Unlimited. Hier schlägt der 6-Watt-Core-M sogar den im Surface Pro 3 eingesetzten Core i5-4300U, der mit 1,9 Gigahertz Basistakt und 2,9 Gigahertz Turbotakt arbeitet – 46.022 erreicht das Surface Pro 3 bei Computerbase, 50.286 Punkte der Core M. Beachtlich, arbeitet Core M doch mit noch einmal deutlich geringerem Energiebedarf als der Core i5-4300U, hier stehen 6 Watt den 15 Watt des Surface-Prozessors gegenüber.
 

Diese Leistung lässt sich mit etwas Fantasie auf weitere Produkte der kommenden Prozessorgeneration hochrechnen. Wir könnten also unter Umständen endlich wieder eine spürbar steigende Prozessorleistung auch im Desktop-Segment erwarten. Auf jeden Fall macht Intels integrierte „Gen8“-Grafik einen massiven Leistungssprung, was kompakte Rechner mit akzeptabler Gamingleistung ermöglichen dürfte. Zudem wird Intel erneut integrierte Grafikchips mit eigenem VRAM (128 Megabyte wie bei den aktuellen Iris Pro) anbieten, die sogar Mittelklasse-Grafikkarten Konkurrenz machen.
 

Nvidias GTX 900 zeigt sich

 

Ein ganz andere Liga peilt hingegen Nvidia mit der 900er-Serie an. Erschien mit der ersten Maxwell-Generation nur die Mittelklasse in Form der sehr energiesparend konzipierten GTX 750 und 750 Ti, soll es ab dem 19. September in die Vollen gehen. Vor kurzem leakten erste Benchmarkergebnisse der GTX 980 und GTX 970. So ordnet sich die GTX 980 vor der Radeon R9 290X und der GTX 780 Ti ein, was für den Spitzenplatz unter den Single-GPU-Grafikkarten reicht. Sonderlich groß ist der Abstand der 980 zur 780 Ti hingegen nicht, Fans dürften mehr als die eher bescheidenen 10% Mehrleistung zum Vorgänger erwartet haben. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der GTX 970: Die neuen Karten erreichen in etwa das Niveau der GTX 780. Eventuell spricht aber ja die Energieaufnahme für die Neuzugänge – oder ein sinkendes Preisniveau für einen Kauf in der alten Generation.
 

Auch wenn die Präsentation der neuen Karten erst am 19. September stattfinden soll, zeigen bereits erste Hersteller ihre eigenen Modelle im Netz. So ist auf der MSI GTX 970 erneut das bekannte Dual-Lüfter-Konstrukt zu sehen und auch Galaxy setzt auf zwei groß Lüfter auf einem dicken Kühlkörper um die hauseigene übertaktete GTX 970 kühl zu halten.
 

Apple zeigt iPhone 6, iPhone 6 Plus und Apple Watch

 

Ein wenig enttäuschend war Apples Keynote am vergangenen Montag ja schon, machen wir uns nichts vor. Der Livestream hatte Schluckauf, die Performance auf der Bühne eher lahm und die vorgestellten Produkte größtenteils bereits bekannt. Vorbei sind die Zeiten größter Geheimhaltung bei Apple, so dass bis zum letzten Moment gerätselt werden muss, was denn da jetzt überhaupt gezeigt werden soll. Der Autor dieser Zeilen war mit dem Liveblogging für Gamestar beauftragt, was durch die technischen Stream-Schwierigkeiten nicht unbedingt einfach war – und durch die mangelnde Spannung etwas ermüdend.
 

Wie bereits im Vorfeld erwartet gibt es also zwei neue iPhones. Das iPhone 6 wird erneut von einem 64-Bit-Dualcore angetrieben, der vom iPhone 5S bekannte A7 wurde von Apple allerdings von 28 auf 20 nm geschrumpft, der Takt hochgesetzt und offenbar auch mit zusätzlichen Grafikeinheiten ausgestattet. Apple verspricht 20% mehr Rechenleistung und bis zu 50% mehr Grafikleistung. Zudem trommelt das Unternehmen für die neue Metal-API, eine hardwarenahe Programmierschnittstelle ähnlich AMDs Mantle, mit der noch hübschere Mobilspiele möglich sein sollen. Da das iPhone 6 Plus nun erstmals ein FullHD-Display spendiert bekommen hat, ließn sich Medienvertreter zu seltsamen Konsolenvergleichen hinreißn – weil PS4 und Xbox One ja nicht bei jedem Titel auf FullHD kommen, wäre das iPhone 6 den neuen Konsolen ja technisch bereits voraus. Wir wissen: Humbug, auch die Konsolen könnten mit reduzierter Grafikqualität in jedem Spiel FullHD flüssig darstellen, das iPhone 6 wird aber keine PS4-Grafikqualität in 1920×1080 leisten.
 

Davon einmal abgesehen hat Apple primär an der Größ gearbeitet – 4,7 und 5,5 Zoll sind durchaus beachtlich, stagnierten iPhones doch lange bei 3,5 und jüngst bei 4 Zoll. Ein paar neue Funktionen wie Bezahlsysteme per NFC, flotteres WLAN und schon war die Hälfte der Keynote geschafft.
 

In der zweiten Hälfte ging es dann um die Apple Watch, Apples erste Smartwatch. Die größte Ãœberraschung (neben der wirklich geschmeidig bedienbaren Oberfläche) war dann allerdings der Name der Uhr: im Vorfeld wurde über den Namen iWatch spekuliert. Apple scheint die Smartwatches eher als Modezubehör zu sehen und weniger als Technikspielerei – die Apple Watch erscheint in drei Kollektionen und in Größn für Damen und Herren sowie mit zahlreichen Armbändern (Textil, Plastik, Metall). Die von Apple zahlreich geladenen Modespezialisten hingegen zeigten sich wenig beeindruckt, schaut die Apple Watch doch weiterhin aus wie ein viereckiger Monitor am Band. Technisch wirkt die Smartwatch allerdings ausgereifter als die Konkurrenz von Samsung, LG und Motorola: Die Bedienung ist flüssig und scheint durchdacht, Scrolling und Zoomen ist mittels Drehrad („digital Crown“) möglich und das Display reagiert auf leichtes antippen anders als auf festen Druck. Geschützt ist es mit Saphirglas, so dass man schon Diamanten in der Tasche transportieren muss, um es zu zerkratzen.
 

Kritikpunkt Nummer eins (von „Wozu brauch ich sowas überhaupt?“ einmal abgesehen) ist allerdings die geringe Akkulaufzeit von gerade einmal einem Tag. Zur Ehrenrettung Apples ist zu sagen, dass die Konkurrenz es auch nicht besser macht und dazu oft noch das Aufladen unnötig erschwert. Hier punktet Apple mit einem magnetischen Stecker, ähnlich wie beim MacBook.
 

Preislich soll die 2015 erscheinende Uhr ab 349 Dollar starten. Modelle in 18 karätigem Gold dürften allerdings unwesentlich teurer sein.