Gamertec Hardware News KW 46 – Von Dennis Ziesecke

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Hat wer in letzter Zeit einmal aus dem Fenster geschaut? Ja, richtig, es ist Herbst geworden, bunte Blätter, Regen, Wind, so Zeugs halt. Herbst bedeutet auf dem Hardwaremarkt allerdings etwas anderes: „Neue Hardware, bald ist Weihnachten“ nämlich. Und tatsächlich, es tut sich was. Nvidia präsentiert neue Grafikkarten, Microsoft ein neues Windows und irgendwie meint gerade jedes Unternehmen, eine VR-Brille auf Basis von Smartphones herausbringen zu müssen. Wir wollen nicht spoilern – aber wir haben da einen Ratschlag an die Firmen, so gegen Ende des Artikels etwa.
 

Engpass bei Nvidias GTX 9×0-GPUs

Einige Firmen meinten schon, der Markt für Grafikkarten wäre tot und begraben, doch offenbar ist das Gegenteil der Fall. Vor kurzem erschienen Grafikkarten der zweiten Maxwell-Generation als GTX 970, 980 und auch mobile Ableger mit „M“ im Namen. Die Leistung erwies sich als erfreulich hoch, die Energieaufnahme als verblüffend niedrig und preislich war auch alles im grünen Bereich. Trotz guter Voraussetzungen war Nvidia aber offenbar skeptisch und orderte nur sehr konservativ geschätzte Mengen GPUs bei TSMC, die die Chips für Nvidia produzieren. So recht aufgegangen ist die Strategie wohl nicht – es gibt Engpässe bei den neuen Maxwell-Chips. So wurde eine ebenfalls für Oktober geplante GTX 960 offenbar kurzfristig abgesagt, weil nicht genug GPUs für eine weitere Linie nachgeliefert werden können. Zumal eine 960 preislich wohl eines der interessantesten Modelle in der Maxwell-Reihe werden dürfte.
 

Es bleibt aber zu erwarten, dass die vor kurzem vorgestellten Notebook-GPUs GTX 970M und 980M der Desktop-960 recht ähnlich sein dürften. Vor allem die 970M sollte fast die gleichen technischen Daten bekommen haben. Die kleinen Stückzahlen reservierte Nvidia aber wohl lieber für gut zahlende Notebookhersteller. Wer gerne mobil zockt, kann sich freuen: Mit Maxwell gibt es bis zu 100% mehr Grafikleistung im Notebook, ohne dass größre Lüfter verbaut werden müssten.
 

Windows: 8 + 1 ist gleich Windows 10

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Komplizierte Rechenaufgabe für Microsoft: Wenn man seine Betriebssysteme seit ein paar Jahren durchzählt und bei 7 begonnen wurde, wie heißt dann der Nachfolger von Windows 8? Klar, Windows 8.1. Und der Nachfolger von 8.1? Logisch: Windows 10.

 

Tatsächlich hat Microsoft die 9 einfach ausgelassen. Windows 10 soll wieder eine Abkehr von den Kacheln des nicht sonderlich beliebten Vorgängers bedeuten. Desktop-Rechner und Notebooks booten auf einen Desktop mit Startmenü, das Kachel-Startmenü ist für Touch-Endgeräte reserviert. Wer mag, wird Hand anlegen können und sich sein Lieblings-Outfit auf dem PC zurechtbasteln können. Wird ein Notebook mit abnehmbaren Touchdisplay ausgestattet, soll Windows 10 zudem automatisch umschalten – Touch bedeutet Kacheln, Notebook bedeutet Desktop.
 

In der ebenfalls seit kurzem erhältlichen Technical Preview von Windows 10 ist davon jedoch noch nichts zu sehen. Der Touch-Part wird erst per Update nachgeliefert. Aktuell ist die Installation von Windows 10 auch nur mutigen Technikfans zu empfehlen. Technical Preview bedeutet eben nicht „Beta“ oder „Release Candidate“ sondern „testet es wenn ihr wollt, es ist aber noch lange nicht auch nur im Ansatz fertig“. So fühlt es sich übrigens auch an. Zudem erscheinen regelmäßig Updates, die das System auch im laufenden Betrieb teils stark verändern und unter Umständen zu Datenverlust führen können. Auf produktiv genutzten Rechnern hat die Preview also nichts zu suchen.
 

Die Systemanforderungen indes sind erfreulich gering. Wo Windows 8 läuft, läuft auch 10. Und Windows 8(.1) läuft schließlich auch auf 100-Euro-Tablets mit Atom-Prozessor und einem Gigabyte RAM. Nicht gut, aber es läuft immerhin.
 

Erste Einschätzung: Die Preview von Windows Vista ließ mich kopfschüttelnd zurück – so ein schlechtes Betriebssystem habe ich Microsoft nicht zugetraut. Windows 7 versöhnte mich, schon nach wenigen Minuten mit der Preview war klar: das wird ein Hit. Windows 8 hingegen schreckte mich wieder ab. Es war zu sehen, dass die Kacheln toll auf Touchgeräten funktionieren, die klassische Maus/Keyboard-Steuerung aber keinen großn Spaß macht. Extra für den Test hatte ich ein x86-Tablet, damals noch eher selten zu finden, organisiert. Auf der damaligen CeBIT war ich einer der wenigen Nutzer mit einem vollwertigen Windows8-Tablet. Gemocht hats trotzdem keiner.
Windows 10 hinterlässt mich zwiegespalten. Einerseits ist viel Potential sichtbar und es könnte ein guter Nachfolger von Windows 7 werden. Auch für Kachel-Hasser und sogar für Kachel-Fans. Aber: Warum zur Hölle plant Microsoft wieder ein System für alle? Smartphones, Tablets, Xbox One: alle sollen Windows 10 bekommen. Kann das klappen? Ich glaube nicht.
 

Smartphone-VR

Oculus Rift hat hohe Wellen geschlagen. Eine Virtual-Reality-Brille für voraussichtlich gerade einmal 300-400 Euro, mit einem wirklich umwerfenden Eindruck und einer gigantischen Immersion – das gabs noch nie. Wer die Rift mit einem Schulterzucken und dem Argument „hat schon in den 1990ern nicht geklappt“ übersieht die seitdem deutlich besser gewordene Technik. Reaktionsschnelle TFT-Bildschirme und vor allem viel Rechenpower in aktuellen PCs sorgen für eine ruckel- und übelkeitsfreie VR. Tatsächlich setzt selbst Oculus VR, dank Milliarden von Facebook nun kein armes Unternehmen mehr, auf Smartphone-Bildschirme zur Darstellung. Hier treffen hohe Auflösungen und Mobilität perfekt zusammen.
 

Logisch, dass da Hersteller der Ãœberzeugung sind, ein Smartphone und ein Gehäuse dafür um es vor den Augen zu tragen, das muss ja reichen. Nach der Durovis Dive, die wenigstens nur knapp 60 Euro kostet und das Einsetzen eines eigenen Smartphones voraussetzt, kommen auch andere Hersteller auf die VR-Idee.
 

Allen voran natürlich Samsung, die als Kooperationspartner von Oculus VR einiges an Knowhow bekommen haben und somit wohl eine der beeindruckenderen Smartphone-VR-Brillen präsentieren dürften. Weniger beeindruckend hingegen ist der Preis, hier dürfte Samsung ganz schnell fast alle potentiellen Kunden verlieren.
 


 

Nun rückt auch Carl Zeiss nach. Deren Cinemizer OLED hatte einen schweren Stand, erschien doch just direkt nach dem Release der Cinemizer der erste Testballon von Oculus Rift. Die Videobrille von Zeiss konnte absolut nicht mithalten, zumal selbst der später noch angebotene Headtracker keine ausreichende Immersion schaffen konnte. Was auch am begrenzten Blickfeld der Cinemizer lag: Wer durch die Zeiss-Brille schaut, hat einen Fernseher mit viel schwarz vor den Augen. Mäusekino. Die Rift hingegen schließt das gesamte Sichtfeld ein, man taucht in einer anderen Welt ab anstatt sie nur aus der Entfernung anzusehen.
 

Nun kommen wir zur Performance – Zeiss und Samsung setzen auf Smartphones. Auch um die Integration eines Displays und eine Verbindung zum PC zu sparen. Nun haben Smartphones jetzt viele tolle Eigenschaften, beachtliche Grafikleistung gehört aber nicht dazu. Klar, auch grafisch abgespeckte Spiele und VR-Anwendungen können Spaß machen. Aber wenn da ein PC ganze Universen fotorealistisch rendert, dann will niemand untexturierte Polygone. Vor allem nicht, wenn die Smartphone-Lösung doppelt so teuer ist wie die Oculus Rift.