Gamertec Hardware News KW 5 – Von Dennis Ziesecke

 

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Angesichts aktueller technischer Entwicklungen könnte man auf den Gedanken kommen, die Autoren von Science-Fiction-Literatur gelangen ein wenig ins Hintertreffen. Viele einst als utopische Sci-Fi abgestempelte Dinge finden so langsam ihren Weg in die Wohnzimmer normaler Anwender – oder wenigstens in die PR-Agenturen großr Firmen, Stichwort Microsoft HoloLens. Nur gibt es offenbar nicht mehr sehr viele wissenschaftlich geschulte und entsprechend weitsichtige Sci-Fi-Autoren, die uns die Technologie des kommenden Jahrhunderts vorhersagen könnten. Oder gibt es sie und der Autor dieser Rubrik ist nur noch nicht auf sie aufmerksam geworden? Dann wäre ein Kommentar unter dieser News sehr freundlich.
 

Zwei Themen behandeln wir in dieser Ausgabe der HW-News. Nur zwei? Tatsächlich sind beide Themen etwas umfangreicher, so dass nur wenig Spielraum für weiteres gewesen wäre. Beginnen wir mit einer neuen Grafikkarte, der Geforce GTX 960. Lang ersehnt, jetzt doch erschienen. Und, lohnt sich der Kauf?
 

Nvidia präsentiert Geforce GTX 960

Die Maxwell-Grafikarchitektur gibt es schon ein paar Monate länger, mit der Geforce GTX 750 (Ti) erschien im vergangenen Jahr bereits recht früh eine solide Mittelklasse-GPU, deren Augenmerk sehr offensichtlich auf „Energiesparen“ lag. Weniger als 75 Watt nimmt eine GTX 750 Ti unter voller Last auf (OC-Modelle ein wenig mehr), während die Performance in etwa auf dem Niveau einer GTX 470 / 560 Ti liegt. Angesichts des Stromhungers dieser Vergleichskarten ist die Leistung von Nvidia beim Design von Maxwell auf jeden Fall zu loben. Highend-Gamer konnten mit der 750 Ti allerdings nur wenig anfangen. Für FPS-Rekorde eignet sich die 120-Euro-Karte definitiv nicht, aktuelle Spiele wie Far Cry 4 überfordern die 750 Ti bereits recht deutlich. Umso besser, dass Nvidia vor kurzem erst die GTX 970 und 980 nachgeschoben hat. Maxwell 2.0 nennt sich die überarbeitete Architektur nun und die gebrachte Leistung wusste zum Release auf jeden Fall zu überzeugen. Eine GTX 980 ist schneller als eine GTX 780 Ti, übertaktete Modelle wildern sogar bei der Titan. Dabei liegt der Energiebedarf deutlich unter den direkten Vorgängern. Eine GTX 970 beispielsweise benötigt weniger als 150 Watt unter voller Last, ein beeindruckend niedriger Wert angesichts der gebotenen Leistung. Allerdings muss der geneigte Käufer auch gute 310 Euro für eine 970 hinblättern. Gefragt waren daher schon länger echte Performance-Karten – Grafikkarten im 200-Euro-Preisbereich mit guter Performance und gleichzeitig geringer Energieaufnahme.
 

Mit der GTX 960 soll laut Nvidia eben diese nun erschienen sein. Um den niedrigen Preis zu halten, musste die 960 allerdings Federn lassen: Nur noch 1024 Shadereinheiten sind aktiv (GTX 970: 1664), das Speicherinterface ist von 256 auf 128 Bit halbiert worden und die ROPs halbierte Nvidia ebenfalls von 64 auf 32. Bei den Textureinheiten ging es von 104 auf 64 herunter, während die Taktfrequenzen von GPU und Speicher hingegen kaum angefasst wurden. Da bei der 960 weiterhin GDDR5-RAM zum Einsatz kommt, ergibt das aufgrund des 128-Bit-Interfaces trotzdem eine Halbierung der Speicherbandbreite. Maximal 2,0 Gigabyte VRAM verträgt die 960, 4,0 Gigabyte sind den teureren Modellen vorenthalten. Die Energieaufnahme sinkt allerdings auf 120 Watt (nur die Karte, ohne Rest-Computersystem), was leise Kühlsysteme ermöglicht.
 

Die nackten technischen Daten deuten es bereits an, Nvidia hat die 960 stark abgespeckt. Der GM206-Grafikchip ist gegenüber dem GM204 in den beiden Topmodellen stark beschnitten worden, verfügt über weniger Cache-Speicher und weniger Shadereinheiten. Nvidia kann den deutlich kleineren Chip günstiger fertigen und so auch die Karten preiswerter anbieten. Etwa 200 Euro soll die GTX 960 kosten, OC-Modelle mit Custom-Kühler sind etwas teurer.
 

Angesichts dieses Preises und auch aufgrund der Erwartungshaltung muss sich die GTX 960 mit dem direkten Vorgänger GTX 760 messen. Der erste Punkt geht an das neue Modell: Die GTX 960 benötigt deutlich weniger Strom, erste im Handel verfügbare Karten sind flüsterleise. Bei geringer Last schalten die Karten zudem ihre Lüfter komplett ab und werden so unhörbar. Apropos: das nervige Spulenfiepen vieler 970 betrifft die 960 kaum bis gar nicht.
 

Das war es allerdings schon mit dem Lob für die GTX 960. Für eine lobenswerte Performance hätte Nvidia nicht so stark abspecken dürfen. Vor allem das schmale Speicherinterface limitiert die 960 immer wieder und verhindert gute Werte bei hohen Auflösungen. Zwar beherrscht der Chip den Anschluss von gleich vier 4K-Monitoren (oder drei 5K-Bildschirmen) gleichzeitig, genug Performance ist aber bestenfalls für FullHD vorhanden. Die GTX 760 beispielsweise wird vom 960-Referenzmodell nur um bestenfalls 10% geschlagen, OC-Versionen der 760 arbeiten sogar schneller als der Neuzugang. Wer also schon eine Karte dieser Leistungsklasse (GTX 670/680 oder 760, alternativ AMD Radeon R9 280/285) besitzt, braucht das Konto nicht plündern. Aufrüsten lohnt sich in diesem Falle nicht. Und auch generell wagen wir zu behaupten, dass die 960 nur sehr bedingt zukunftssicher ist. Für kommende Spiele ist der Speicher zu langsam und auch die 2 Gbyte VRAM wirken etwas begrenzt angesichts der Anforderungen einiger Titel. Stichwort: 3 Gigabyte für flüssige hohe Details in Mordor und den Far-Cry-Anden. Eine Kaufempfehlung gibt es daher nicht.
 

Microsoft spielt Sci-Fi im Wohnzimmer:

HoloLens simuliert das Holodeck

Wie flexibel das noch in diesem Jahr erscheinende Windows 10 sein soll, demonstriert Microsoft mit einer ungewöhnlichen und faszinierenden neuen Hardware. Microsofts HoloLens soll die eigene Umgebung mit Computergrafiken erweitern – so etwas nennt sich auch Augmented Reality, erweiterte Realität. Einen ähnlichen Ansatz wagt bereits Google mit dem umstrittenen Google Glas. Während Google Glas aber sehr konservativ arbeitet (ein schwacher Prozessor, ein kleiner Akku und eine primär die Umgebung ergänzende Mini-Einblendung als Smartphone-Erweiterung), klotzt Microsoft offenbar statt zu kleckern.
 

Erste Werbevideos versprechen nichts mehr als die Zukunft der Ãœberall-Computer: Der Nutzer trägt eine transparente Brille, in die ein vollwertiger Rechner mitsamt Akku integriert sein soll. Eine Kinect-ähnliche 3D-Kamera tastet die Umgebung ab, so dass die HoloLens die Umgebung mit 3D-Objekten überlagern kann. Die 3D-Kamera sorgt zudem für Interaktionsfähigkeiten: Die eigene Hand lässt sich als Steuergerät nutzen, indem die 3D-Objekte einfach angefasst werden. Ein integriertes Headset lässt den Nutzer auch mit der Außnwelt kommunizieren. Wichtig ist das für den geplanten Einsatz mit Skype.
 


 

Angesichts der spielerischen Fähigkeiten, Microsoft präsentiert HoloLens in Verbindung mit Minecraft, wird klar, warum Microsoft so viel Geld für Mojang ausgegeben hat. Die Microsoft-PR verspricht ein raumfüllendes Spiel: Der Couchtisch wird zum Berg, auf dem eine selbstgebaute Burg steht, der gesamte Raum ist angefüllt mit Minecraft-Umgebung.
 

Skype soll als holografisch wirkendes 3D-Bild in das Sichtfeld des Nutzers eingeblendet werden können. So läuft der HoloLens-Anwender durch den Raum und nimmt sein Skype-Fenster immer auf gleichem Abstand mit sich. Interagiert wird per Sprache und Hand. So sollen auch Tutorials für Handwerks-Einsteiger, Ausflüge auf den Mars und viele weitere Dinge möglich sein – Microsoft verspricht schon einmal vieles.
 

Ähnliche Lösungen existieren zwar bereits, sie sind aber bei weitem nicht so beeindruckend wie die von Microsoft nun gezeigte HoloLens. Allerdings wird sich HoloLens erst der Realität stellen müssen, bislang ist die Technik im Experimentierstadium. Die offenbar recht hohe Auflösung sowie die schnelle Reaktion auf die Umwelt machen HoloLens aber jetzt schon sehr spannend. Innerhalb der kommenden Jahre könnte Microsoft damit den Alltag durchaus revolutionieren. Und wenn sich dann noch eine wirklich gut funktionierende Eingabemethode findet, dürften auch Spiele davon profitieren.
 

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