Gaming-Laptop Alienware 17 (Haswell, GTX 780M) | Gamertec Test!

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LAN-Partys fordern Mensch und Maschine – schnelle Gaming-Rechner von einer Location zur anderen schleppen, dann noch Monitor, Keyboard und weitere Peripherie nicht vergessen, das schlaucht und nervt. Einfacher wäre der Gang zur LAN mit einem potenten Gaming-Notebook. Doch hält sich immer noch dieses Gerücht, Notebooks wären zum ernsthaften Zocken nicht geeignet. Im ausführlichen Test des Alienware 17 haben wir feststellen können: Doch, Notebooks sind sehr wohl uneingeschränkt Gamingtauglich. Vor dem Spiel steht allerdings auch die Investition von mindestens 1500 bis 2000 Euro in ein entsprechendes Modell.

Wir hatten zum Test das von Dell zur Verfügung gestellte Alienware 17 in einer 2.899 Euro teuren Luxus-Konfiguration. So tummelten sich auf der Platine des Notebooks Intels Quadcore-Prozessore Core i7-4800MQ mit 2,7 Gigahertz Taktfrequenz (per Turbo: bis zu 3,7 Gigahertz), 16 Gigabyte DDR3-RAM und nVidias aktuell schnellste Single-GPU-Mobilgrafiklösung Geforce GTX 780M mit satten 4 Gigabyte GDDR5-RAM. Für den schnellen Datenaustausch sorgt eine SSD mit 256 Gigabyte Kapazität sowie eine Festplatte mit 750 Gigabyte Fassungsvermögen. Was diese Kombination zu leisten vermag? Wir waren gespannt und sind, Spoileralarm, nach dem Test durchaus begeistert. Das dürfte sich beim regulären Käufer nach einem Blick auf den Kontostand zwar etwas anders anfühlen, die beachtliche Leistung des Alienware 17 bleibt allerdings.
 

 

Technik

Intel bietet nur zwei noch schnellere Mobil-Prozessoren als den im Alienware 17 verbauten Core i7-4800MQ an: Den fast doppelt so teuren 4900MQ mit nur ein wenig zusätzlichem Takt sowie den mit offenem Multiplikator versehenen aber sündhaft teuren 4930MX. Im Vergleich ist der 4800MQ eine Vernunftlösung: Die Performance liegt nur wenig unter der des fast 1.000 Euro teuren Topmodells, der Energiebedarf sogar 10 Watt darunter. Mit 47 Watt genehmigt sich der 4800MQ dennoch einen satten Schluck aus der Steckdose respektive aus dem Akku des Notebooks. Im Gegenzug integriert Intel allerdings auch die erfreulich potente HD-4600-GPU, die beim Alienware 17 die Arbeit übernimmt, wenn gerade keine Grafiklast anliegt und so Strom sparen hilft.

47 Watt, ein Wert der fast schon gering wirkt wenn wir einen näheren Blick auf die Grafiklösung des Alienware 17 werfen. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert: Der Hersteller nutzt die GTX 780M, Nvidias schnellste GPU auf dem Markt. Diese greift auf gleich 4 Gigabyte mit 256 Bit angebundenen GDDR5-RAM zurück und arbeitet mit 1.536 Shadereinheiten. Gegenüber den Desktop-GPUs fallen die Taktraten etwas zurück: Anstelle von mehr als einem Gigahertz wie bei der ansonsten ähnlich ausgestatteten GTX 770 für den Desktop arbeitet die GTX 780M mit nur knapp 800 Megahertz (per Turbo: bis zu 849 Megahertz) und drosselt bei zu hohen Temperaturen sogar auf nur noch 666 Megahertz. Ungeachtet dessen ist die Performance für eine Notebookgrafikkarte gigantisch. Gleiches gilt aber auch für den Energiebedarf: Die GTX 780M schluckt unter Last gute 100 Watt. Wie bereits erwähnt, der Prozessor wirkt plötzlich fast schon sparsam.

Damit dem Gamer auch in Zukunft der Arbeitsspeicher nicht ausgeht, ist unser Testmuster mit 16 Gigabyte DDR3-1600 bestückt. Zwei der vier Module sind leicht zugänglich, die restlichen Speichermodule lassen sich erst nach dem Ausbau der Tastatur tauschen. Gleiches gilt für die 256 Gigabyte fassende mSATA-SSD unseres Testgerätes. Wer sich unsicher ist, ob er mit dem Speicherplatz auskommt, sollte eventuell gleich den Kreditrahmen bei der Bank erhöhen und die Ausstattungsoption mit 512 Gigabyte SSD wählen. Nicht zu Wahl steht allerdings der Hersteller des Flashspeichers, Dell (als Mutterfirma von Alienware) nutzt hier Laufwerke von LiteOn. Diese beherrschen zwar SATA 3 und arbeiten dank Marvell-Chipsatz mit gut 380 Megabyte pro Sekunde (lesend und schreibend), topaktuelle Marken-SSDs wie beispielsweise von Crucial oder Samsung bietet Dell jedoch nicht an.

Alienware 17 Notebook
 

 

Display

Das Display des Alienware 17 ist, der Name deutet es bereits vorsichtig an, 17,3 Zoll groß. Es löst mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten angemessen hoch auf und verzichtet auf eine glänzende Oberfläche. Mit einer Helligkeit von knapp 270 cd/m² in der Bildmitte ist der Bildschirm in Sachen Helligkeit nur durchschnitt. Da es sich um ein TN-Panel handelt, missfallen die Blickwinkel des Bildschirms. Wer zu weit von der Seite auf das Display schaut, sieht nur noch matschige Farben.

Gewicht und Leistugungsaufnahme

Der martialisch anmutenden Verpackung liegt neben dem Notebook und einigem Lesestoff sowie zwei Datenträgern auch ein großs Netzteil mit 240 Watt Leistung bei. Dieses ist zwar recht flach, ansonsten erreicht es aber fast die Ausmaß einer Blu-ray-Filmhülle. Mit 840 Gramm erhöht es das sowieso schon beachtliche Gewicht des Alienware 17 zusätzlich. 4,3 Kilogramm Notebook und fast ein Kilogramm Netzteil – nichts für den täglichen Ausflug. 240 Watt Leistung sind für das Netzteil allerdings auch nötig, unter voller Last (Furmark und Prime95, im Alltag also eher unrealistisch) nimmt das Alienware 17 satte 200 Watt aus der Steckdose auf.

Akku

Wird das Notebook ohne Netzstecker im Akkumodus betrieben, sinkt die Leistungsaufnahme. Dafür verantwortlich ist unter anderem die ihren Takt stark drosselnde Grafikkarte des Alienware 17: Anstelle von 849 Megahertz sind im Akkumodus nur noch gut 405 Megahertz verfügbar und auch der GDDR5-RAM wird anstelle von 1.250 Megahertz mit 800 Megahertz getaktet. Die Folge sind geringere FPS-Werte im Akkubetrieb: Bei Tomb Raider beispielsweise maßn wir mit Netzstrom 68 FPS (integrierter Benchmark, FullHD, hohe Details), mit Akkustrom jedoch nur noch 38 FPS. Metro Last Light erweist sich in hohen Details mit nur noch 17 FPS sogar als unspielbar ohne Netzteil. Hier muss an den Details oder der Auflösung geschraubt werden, um auch ohne Steckdose adäquat spielen zu können.

Die Drosselung der leistungshungrigen GPU tut allerdings Not: Obwohl Dell einen Akku mit 86 Wattstunden Kapazität verbaut reicht es unter Last (getestet mit Metro Last Light) nur für etwa eine Stunde Laufzeit. Ohne Last, mit gedimmten Display, deaktivierem WLAN und aktivem Energiesparprofil (allerdings mit Gehäusebeleuchtung) sind es hingegen gute 4 Stunden. Die in diesem Szenario heruntergetaktete CPU und die Umschaltung auf Intels iGPU zeigen hier starke Wirkung. Realistischer für den Alltag auf Reisen dürfte hingegen die Laufzeit mit hoher Displayhelligkeit, ausbalanciertem Energiesparprofil und aktivem WLAN (jedoch weiterhin der HD-4600-GPU) sein: Knapp 3 Stunden hält das Notebook bei diesem Testszenario durch.

Wartungsmöglichkeiten und Gehäuse

Wer gerne an seinem Notebook herumbastelt, ist bei Alienware gut aufgehoben. Das Alienware 17 legt nach dem Entfernen von nur zwei Schrauben fast das gesamte Innenleben frei. Auffällig: Sowohl CPU als auch GPU verfügen über ein eigenes Kühlsystem mit zwei (CPU) beziehungsweise drei (GPU) Heatpipes und einem eigenen Lüfter. CPU und GPU sind im Bedarfsfalle gegen schnellere Modelle mit gleicher TDP wechselbar, die GPU befindet sich dafür auf einer vergleichsweise leicht zu wechselnden MXM-Platine.

Zwei der vier RAM-Module sind ebenso greifbar wie die von Western Digital stammende Festplatte (WD Black mit 7200 RPM). Ein weiterer Slot für eine Festplatte oder SSD ist noch frei und kann problemlos bestückt werden. Alienware legt hierfür sogar die nötigen Schrauben bei. Auch das WLAN-Modul (801.11ac, 5/2,4 Gigahertz, „Gigabit-WLAN“) mitsamt seiner drei Antennen und dem integriertem Bluetooth-4.0-Modul liegt offen.
Der Displaydeckel ist mit eloxiertem Aluminium und einigen LED-Lichtspielen durchaus ein Hingucker. Die martialische Formensprache muss man allerdings auch mögen um sich mit dem Alienware 17 anfreunden zu können.

Heatpipes

Lichteffekte

Insgesamt wirken die LED-Lichtelemente des Alienware 17 schon fast übertrieben. Im dunklen ist das Notebook auf jeden Fall immer gut zu sehen. Seitliche Zierstreifen: beleuchtet. Herstellerlogo: leuchtet ebenfalls. Keyboard, Numpad und diverse Schalter: bunt! Sogar das groß Touchpad strahlt bei Nutzung in hellen Farben. Welche Farben das jeweils sind, ist dem Nutzer selbst überlassen. Der Hersteller installiert zahlreiche Konfigurationstools vor, unter anderem eines für die Farbwahl der LED-Festbeleuchtung.

So lassen sich verschiedene Leucht-Profile auswählen und selbst erstellen. Das Herstellerlogo soll beim Empfang einer eMail bunt pulsieren? Kein Problem. Sogar der Stromstecker verfügt über einen leuchtenden Kranz und zeigt auf Wunsch farblich den Füllstand des Akkus an. Das Keyboard des Alienware 17 ist in vier farbliche Zonen aufgeteilt, so dass der WASD-Bereich anders leuchten kann als der Nummernblock.

titelbild_1 Beleuchtung

Eingabegeräte

Generell ist Alienware mit der Wahl des Keyboards ein guter Griff gelungen. Es biegt sich nur sehr wenig durch, vermittelt ein gutes Feedback beim Drücken von Knöpfen und erlaubt ein angenehmes Schreib- und Spielgefühl. Ghosting konnten wir nicht feststellen, so dass die separate Tastatur daheim bleiben kann.

Ãœber dem Nummernblock auf der rechten Keyboardseite finden sich zudem vier Makro-Tasten, die sich frei mit verschiedenen Befehlen oder Tastenkombinationen belegen lassen. Das groß Touchpad beherrscht zusätzlich verschiedene Gesten, die unter anderem die Bedienung von Windows 8 stark vereinfachen.
 

 

Software

Wie angedeutet: Windows 8 ist bereits vorinstalliert. Störende Werbesoftware findet sich auf dem Alienware 17 erfreulicherweise nicht. Dafür hat der Hersteller einige eigene Tools zur Konfiguration und Bedienung des Notebooks vorinstalliert. Zur Wiedergabe von Filmen ist zudem PowerDVD in einer älteren Version installiert.

Allerdings fehlt dem Medienplayer der Support für die Wiedergabe von Blu-ray-Discs. Ein dummer Schnitzer angesichts des verbauten (Slot-in) BD-Laufwerkes. Wer bereits fast 3.000 Euro investiert hat, wird nicht sehr froh sein, wenn zum Anschauen von Filmen noch weitere 50 Euro hinzukommen – die Investition hätte Alienware sicherlich nicht umgebracht.

Lautstärke und Temperaturen

Wie kaum anders zu erwarten rauschen die Lüfter des Alienware 17 unter Last gut vernehmlich vor sich hin. Maximal 50 Dezibel sind zu messen wenn das Gerät gerade voll aufdreht. Das tut es aber selbst unter dauerhafter Last nicht durchgehend, die Lautstärke schwankt fast schon störend zwischen 40 und 50 Dezibel. Dabei ist leicht zu erkennen, ob gerade CPU oder GPU belastet sind: Je nachdem, auf welcher Seite es lauter rauscht, ist die Last auf dem einen oder anderen höher.

Wird gerade kein Spiel gezockt zeigt sich das Alienware 17 allerdings von seiner besten Seite. Die Lautstärke im Idle ist nicht störend, maximal 34 Dezibel sind selbst in ruhigen Umgebungen nicht nervend. Die meiste Zeit bleiben die Lüfter unter 30 Dezibel, was das Notebook zu einem sehr ruhigen Gesellen macht und vergessen lässt, welche Power dort unter der Haube lauert.

Performance

Mails, Internetsurfen, Filme schauen – das Alienware 17 beherrscht diese Aufgaben zwar sehr gut, eigentlich freut sich das Notebook aber über andere Anwendungen. Genauso wie der schnelle Sportwagen auf die Autobahn und nicht auf den Feldweg gehört, will das Alienware 17 gefordert werden. Wir haben es mit einigen aktuellen Spielen penetriert und uns dabei für die jeweils höchsten Detailstufen bei 1.920 x 1.080 Bildpunkten entschieden.

Bei Tomb Raider erreicht das Notebook gute 68 FPS, Crysis 3 läuft mit durchschnittlich 43 FPS. Beim grafisch weniger anspruchsvollen Call of Duty: Black Ops 2 sind es sogar gleich 125 FPS, Bioshock Infinite kommt auf 51 FPS.

Etwas ins Schwitzen kommt das Alienware 17 bei fordernden Titeln wie Metro Last Light: Mit 38 FPS ist der Titel zwar noch gut spielbar, Reserven für kommende Nachfolger sind jedoch kaum noch vorhanden. Die Beta von Battlefield 4 lief mit durchschnittlich 40 FPS, erforderte aber die Installation eines aktuelleren Grafiktreibers. Auf Details verzichten sollte man beim Spielen von Company of Heroes 2: Nur knapp 20 FPS erzielte das Strategiespiel im integrierten Benchmark, in fordernden Situationen ruckelt es auf dem Spielfeld sichtbar.

Fazit

Das Alienware 17 spaltet die Gemüter: Es bietet eine grandiose Performance auf dem Niveau eines Desktop-Rechners, kostet dabei aber soviel wie gleich drei solcher PCs. Wer allerdings keinen Platz für einen Desktop-PC hat oder ein Gerät für den gelegentlichen Transport (beispielsweise von der Studentenwohnung zum Elternhaus oder von der Wohnung zur LAN-Party) benötigt, bekommt für viel Geld ein extrem schnelles Notebook mit beachtlicher Festbeleuchtung und einem durchdachten Kühl- und Wartungssystem. Besonders praktisch wenn im Job regelmäßige Hotelaufenthalte erforderlich sind: Der HDMI-Port des Alienware 17 eignet sich nicht nur zum Anschluss eines Monitors sondern ist auch ein Eingang. So lassen sich Konsolen wie die PS3 oder Xbox 360 (PS 4 und One natürlich ebenfalls) an das Notebook anschließn.

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Fast 3.000 Euro ist eine Hausnummer, zugegeben. Dennoch hat uns das Alienware 17 sehr gut gefallen. Lassen wir den Preis einmal außr acht, handelt es sich dabei um ein verdammt flottes Notebook, das den Begriff „Desktopersatz“ perfekt ausfüllt. Wirklich mobil ist ein solcher Bolide jedoch beim besten Willen nicht.