Im Test: Creative Soundblaster Z SoundKarte | Gamertec.de

Lange Jahre galten Soundblaster-Karten als Synonym für Soundkarten an sich. „IBM-PC“ und „Soundblaster-kompatibel“ stand auf so gut wie jedem PC-Spiel der 1990er Jahre in den Systemanforderungen. Soundblaster stand für Soundkarten wie Tempo für Taschentücher. Bis vor einigen Jahren sah es so aus, als wenn sich daran auch so schnell nichts ändern wird. Die Soundblaster Audigy untermauerte mit grandiosen Klangeigenschaften den guten Ruf von Creative. Bis, ja bis wann genau, wann drehte sich das Blatt? Einen Knacks bekam der Ruf von Creative schon durch die teilweise nur durchschnittlichen Treiber der Audigy. Generell, die Treiberpolitik Creatives begann ein Problem zu werden – spätestens mit der X-Fi, erneut eine hochwertige Karte mit sehr guten Klangeigenschaften, wandten sich dann viele Spieler genervt von Creative ab. Zu instabil waren die Treiber und die Hardware auf einigen Systemen geworden.

Dabei erlebten bei weitem nicht alle Spieler die in den Forendiskussionen brodelnden Probleme mit der X-Fi – Abstürze, nach Neustarts nicht mehr erkannte Karten, Knacksen in den Lautsprechern. Doch ein weiterer Punkt nagte an Creative: Windows Vista und später auch Windows 7 boten im Gegensatz zu älteren Windows-Versionen keine Unterstützung mehr für hardwarebeschleunigten Sound. Dabei war Creatives EAX-Schnittstelle maßgeblich für den guten Ruf der Audigy und X-Fi verantwortlich. Und auch Onboard-Soundchips holten qualitativ auf. Dazu kommt: Sound kann man nur hören, die Vorteile einer guten Soundkarten lassen sich in Testberichten also nur beschreiben und abstrakt in Diagrammen festhalten. Und FPS-Gewinne verspricht eine Soundkarte ebenfalls nicht.

Mittlerweile sind Creatives Soundkarten kein Tipp mehr unter Gamern, es wird sogar schon längere Zeit offen von den Karten abgeraten. Keine Vorteile durch fehlende Hardwareunterstützung, Abstürze durch Treiberfehler, so und ähnlich klingen die Contra-Argumente. Mit der Recon3D veröffentlichte Creative dann im vergangenen Jahr eine weitgehend unbeachtete Karte, für die sich tatsächlich kaum jemand zu interessieren schien – weder Presse noch Nutzer. Fehlende Pressestimmen dürften für Creative zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht einmal sehr schlimm gewesen sein, war der „Quadcore-Soundchip“ der Recon3D doch gegenüber der X-Fi weniger leistungsfähig, die Karten schlechter im Funktionsumfang. So fehlte beispielsweise die für Musiker wichtige ASIO-Unterstützung, mit der sich die Latenzen beim Ansteuern von Instrumenten verringern lassen.

Mit der Soundblaster Z erschien nun vor kurzem ebenfalls von der potentiellen Käuferschaft fast unbemerkt der Nachfolger der Recon3D. Nachfolger, ein mächtiges Wort und im Falle der Z definitiv übertrieben. Der Soundchip auf der Soundblaster Z entspricht dem der Recon3D, verfügt also auch nicht über die Fähigkeiten des X-Fi Chips.

Sound Blaster Z Soundkarte

Spieler werden zwar weiterhin angesprochen, sind aber augenscheinlich nicht mehr die primäre Zielgruppe. Für Mehrspielerpartien gibt es eine interessante Funktion namens „Scout Mode“ – dieser sorgt für eine bessere Ortung weiter entfernter Gegner auf dem Schlachtfeld, was Vorteile im Spiel verspricht. Wer mit Kopfhörern spielt, wird auch weiterhin CMSS3D nutzen können, einen virtuellen Raumklangeffekt, der aus Stereokopfhörern einen überzeugenden Raumklangeffekt herauskitzelt. An die Intensität dieses Effektes kommt bislang auch kein anderer Soundkartenhersteller heran, die in USB-Headsets eingebauten Einfach-Soundchips schon gar nicht. Und mit Windows 8 hält sogar der lange Zeit vermisste Hardwaresound wieder Einzug in ein Windows-Betriebssystem – wenngleich bislang ohne spür-, hör- und messbare Vorteile.

Musiker indes sind mangels ASIO-Support weiterhin keine Zielgruppe für Creative. Eventuell möchte das Unternehmen damit auch nur seine eigenen Highend-Audiochipschmieden von den Consumer-Karten abgrenzen.
Sollte der Rechner oft zum Hören von Musik genutzt werden, ist der Einsatz einer Soundblaster Z allerdings durchaus zu überlegen. Matschig klingende MP3-Dateien können vom Crystalizer mächtig aufgepeppt werden und klingen anschließnd wieder spritzig wie von CD. Puristen verurteilen solche Klangaufbesserungen allerdings, da so nicht der ursprüngliche Klang erreicht wird. Ok, Puristen haben allerdings auch keine matschig klingenden MP3-Dateien, sind also eh nicht die Zielgruppe dieses Features.

Das preiswerteste und kleinste Modell der Z-Serie, die Soundblaster Z (ohne weitere Anhänge), wird ausschließlich als PCIe-Karte ausgeliefert und verfügt über eine wichtig aussehende Abdeckung über dem Soundchip. Eine rote LED erleuchtet die Karte und zum Teil auch den Rechnerinnenraum im Betrieb. Für Gehäuse mit Front-Audio-Ports stehen Pfostenstecker für HD-Audio-Kabel zur Verfügung. Die auf dem rückwärtigen Kopfhörereingang anliegende Kopfhörerverstärkung wird allerdings nicht an die Front übertragen. Dafür finden sich auf der Rückseite neben den Anschlüssen für 5.1-Lautsprechersysteme (Klinkenstecker), Line-In und Mikrofon-In auch ein optischer Ein- und Ausgang. Dank Dolby Digital Live können mittlerweile auch Spielesounds in 5.1-Surround optisch an einen entsprechenden Verstärker weitergereicht werden. Ältere Karten beherrschten hier nur Stereosound.

Der Karte liegt ein Mikrofon-Array mit recht langem Anschlusskabel bei. Dieses zeigt auch die Ausrichtung Creatives: Internettelefonie, Teamspeak. Das Mikrofon lässt sich im Treiber recht genau einstellen – auch der Anstellwinkel lässt sich in feinen Stufen zwischen „Eng“ und „Breit“ wählen, so dass entweder nur die Stimme des direkt davor sitzenden Nutzers oder auch die Umgebung mit aufgenommen wird. Eine Echo-Unterdrückung und eine Noise Reduction sorgen für klangliche Vorteile wenn nebenher noch ein Haushaltsgerät läuft – beim Gegenüber kommt tatsächlich nur die eigene Stimme an. Eher in die Kategorie „Spielerei“ fallen die CrystalVoice genannten Stimmverfremdungen die auf das Mikrofon geschaltet werden können. Dem Gegenüber als Dämon oder Chipmunk ins Ohr mauscheln hat durchaus etwas.

Klanglich ist an der Soundblaster Z wenig auszusetzen. Selbst vergleichsweise preiswerte PC-Lautsprecher klingen beim Musikhören und in Spielen subjektiv besser als mit einem Onboard-Soundchip. Wird ein hochwertiges Lautsprechersystem genutzt, führt noch immer kaum ein Weg an einer Soundkarte vorbei – die Z bietet sich hier tatsächlich an. Wer mit einem Stereokopfhörer zockt, sollte sich die Karte auf jeden Fall vormerken.

Denn: Eines der größten Contra-Argumente der Vorgängerkarten gilt spätestens mit der Soundblaster Z nicht mehr. Der Treiber ist stabil und zuverlässig, dauernde Abstürze gehören tatsächlich der Vergangenheit an und die Karte lässt sich anstandslos installieren.