John Carmack propagiert Virtual Reality

Der Name John Carmack dürfte den meisten Gamern bekannt sein. Der Mitbegründer von id Software ist immerhin verantwortlich für Spieleperlen wie Doom und Quake. Nun plauderte der Entwickler über seine Vorstellung von der Zukunft des Gamings.

Von „NextGen“ und Grafikhypes hält Carmack offenbar wenig. Höhere Polygonzahlen, besser aussehende CGI-Animationen, hübschere Texturen – das sei der falsche Weg um Computerspiele auf den nächsten Level zu bringen. Um den Zockern eine Spielerfahrung bringen zu können wie er es einst mit Spielen Doom geschafft hat, eine revolutionär neue Erfahrung also, müssen Spielehersteller und Konsolenentwickler laut Carmack neue Wege gehen. Nintendos Wii-Bewegungssteuerung beispielsweise erwähnte er in diesem Zusammenhang lobend.

Weiterhin berichtet er, dass PCs zehnmal leistungsstärker seien als Konsolen, es kaum noch technische Limitierungen gebe. Jede kreative Vision eines Spieldesigners könne inzwischen auf PCs und Konsolen gut umgesetzt werden. Carmack ist aus diesem Grunde auch nicht allzu scharf auf die kommende Konsolengeneration, seiner Meinung nach fehlt es den kommenden Konsolen an Innovationen – die Konzentration auf immer mehr Leistung sorgt nur dafür, dass er und seine Kollegen die Leistungsregler hochsetzen können, neue Spielideen bringt das allerdings nicht, die Faszination fehlt.

Für ihn ist das wahre Schlagwort der Zukunft „Virtual Reality“. Aber nicht die 1990er-Vision mit unhandlichen VR-Brillen, die bei unbedachten Bewegungen das zarte Zocker-Genick brechen sondern zeitgemäß Versionen. Er selbst hat mit viel Kreativität und und Klebeband einen Prototypen eines VR-Helms zusammengebastelt, quasi „MacGyvert“, mit dem sich auch Kopfneigungen erkennen ließn.

Vergleichbare Systeme sind allerdings bereits im Handel oder in der Entwicklung. So präsentierte Carl Zeiss auf der diesjährigen CeBIT die aktuelle Version der Cinemizer-Videobrille, die sich mit einem Headtracker erweitern lässt. Auf der Messe ließn sich sowohl ein Rennspiel von einer PS3 als auch ein 3D-Spiel auf Basis der Crysis-Engine anspielen. Da die Videobrille für jedes Auge einen kleinen OLED-Bildschirm nutzt, ist auch perfektes 3D kein Problem – jedes Auge bekommt nur die jeweiligen Informationen, so dass der 3D-Effekt deutlich überzeugender wirkt als wenn Polfilter- oder Shutterbrillen zum Einsatz kommen. Per Headtracker war es zudem möglich, sich in der 3D-Umgebung umzusehen. Die Cinemizer-Videobrille soll noch diesen Sommer auf den Markt kommen. Bereits etwas länger im Handel (aber mit etwa 800 Euro auch deutlich teurer) ist eine Videobrille von Sony, die ein sichtbar größres Bild liefert und zudem 5.1-Sound bietet. Abschreckend ist allerdings der sehr hohe Preis, der bei einer größren Verbreitung der Videobrillen aber schnell sinken könnte.