Onlinegaming ohne DSL – Möglichkeiten via Funk und Satellit

 
Eine schnelle Internetverbindung, über Kabel oder Telefonleitung, ist längst nicht überall gegeben. Sehr oft gibt es sogar überhaupt keine Möglichkeit für einen Internetanschluss. Das ist kein Einblick in die Gegebnheiten ärmerer Landstriche der Welt, sondern auch hier in Deutschland Alltag für viele Bürger. Es gibt natürlich Möglichkeiten über andere Wege an eine Vrebindung zum Internet zu kommen. Wir schauen wie praktikabel diese sind, ob damit auch Online-Gaming möglich ist und ob es bezahlbar ist.

TRIA Sat-DSL

Die Zeiten von netten LAN-Partys mit koax-vernetzten 486er-Computern oder gar Nullmodem-Kabeln sind schon seit einiger Zeit vorbei. Wer heute eine spontane Netzwerkparty plant, kommt ohne Internet oft nicht einmal mehr ins jeweils favorisierte Spiel. Online-Verbindungen sind nicht mehr nur als DRM verpflichtend sondern auch weil es keinen reinen Netzwerk-Multiplayer mehr gibt – bei vielen Spielen muss immer erst ein Internet-Server genutzt werden bevor der Mehrspielerspaß starten kann. Das nervt den einen oder anderen LAN-Veteranen selbst dann, wenn eine dicke VDSL-Leitung vorhanden ist. Ärgerlich wird es aber vor allem dann, wenn kein Internetanbieter sich in der Lage sieht, den eigenen Wohnort mit zeitgemäßr Internetanbindung zu versorgen.

Alternative: LTE

Nicht nur auf dem Lande, selbst in einigen deutschen Großstädten und in deren Randbereichen herrscht Internet-Notstand. Dass für die Bundeskanzlerin das Internet einfach nur Neuland ist merkt man in vielen Orten in der Republik schon beim Blick auf den DSL-Speedtest. Wer 1 oder 2 Megabit pro Sekunde stabil erreicht kann sich bereits glücklich schätzen. Vor allem ländliche Gegenden werden aber gar nicht erst mit mehr als 384 Kilobit pro Sekunde angebunden, da der nächste Internetverteiler, DSLAM genannt, zu weit vom eigenen Wohnort entfernt steht. 384 Kilobit pro Sekunde, das sind etwa 40 Kilobyte. Nicht viel angesichts Megabyte-großr Webseiten und Gigabytes an Updates für Onlinegames. Und auch das Onlinespiel kostet Bandbreite.

Die von der Regierung und den Providern favorisierte Alternative lautet LTE. Diese Funktechnologie soll selbst Dörfer mit klangvollen Namen wie „Seestermühe“ mit 50 oder gar 100 Megabit pro Sekunde ins Internet bringen. VDSL- und Glasfasergeschwindigkeiten per Funk – verlockend! Der Pferdefuß lauert im Kleingedruckten und in der genutzten Technik. So gelten die hohen Geschwindigkeiten nur für eine begrenzte Menge heruntergeladener Daten. Nach 10, 15 oder maximal 30 Gigabyte pro Monat wird die einst so flotte Leitung drastisch auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Die Telekom bietet zwar mit „Speedon“ die kostenpflichtige Möglichkeit, die volle Geschwindigkeit wieder herzustellen, angesichts von Kosten in Höhe von knapp 15 Euro für 10 weitere Gigabyte handelt es sich je nach Betrachtungsweise allerdings eher um einen stark überteuerten Zusatzdienst oder gnadenlose Abzocke. Die Aufpreise bei Providern wie Vodafone sind übrigens auch nicht kundenfreundlicher.

Generell gilt: LTE bietet für 2-3 Stunden im Monat tolle Datenraten, dann allerdings geht’s zurück in die Internet-Steinzeit.

Da fällt es schon fast nicht mehr ins Gewicht, dass es sich um ein „shared Medium“ handelt, also alle Nutzer der jeweiligen LTE-Antenne sich die maximal mögliche Bandbreite von 50 oder 100 Megabit pro Sekunde teilen müssen. Vor allen in den Abendstunden kann es da schon etwas knapp werden – Werbung für die flotte Internetverbindung unter den Nachbarn sollte man sich daher besser verkneifen. Gut schaut es dafür bei der Latenz aus. Waren 3G-Internetverbindungen aufgrund von Pings in Höhe von 100 bis 500 Millisekunden nur sehr bedingt für Onlinegames geeignet, schlägt LTE sogar DSL bei der Latenz. Ist das Onlinegame also bereits fertig gepatcht auf der Festplatte, lässt sich mit LTE durchaus gut Online zocken. Ein World of Warcraft beispielsweise benötigt pro Stunde etwa 10 Megabyte, das lässt sich selbst mit LTE verkraften. Nur an Patchdays wird der LTE-Nutzer schnell blass um die Nase, groß Updates werden schnell sehr teuer – wenngleich sie erfreulich schnell heruntergeladen sind.

Alternative: Satellit DSL

Eine noch eher unbekannte Alternative zu LTE setzt auf Satellitentechnik. Beim Sat-DSL wird eine Satellitenschüssel mitsamt eines speziellen LNBs genutzt um Daten auf den Rechner zu bekommen. Vor einigen Jahren handelte es sich dabei bestenfalls um eine Notlösung für extrem verzweifelte Menschen fernab jeder Zivilisation – musste doch der Upstream über eine herkömmliche Telefonleitung (DSL, ISDN) vorgenommen werden, da die Satellitenverbindung lediglich Daten laden konnte.

Mittlerweile sind die Lösungen Rückkanalfähig. Bedeutet: Sat-DSL empfängt und sendet über die Parabolantenne und ohne weitere Verbindungen. Benötigt wird dafür allerdings eine etwas aufwändigere und sehr futuristisch aussehende Technik um die eigene Schüssel in die Lage zu versetzen, Daten ins Weltall zu senden.

Ãœblicherweise bieten Sat-DSL-Anbieter keine ungedrosselten Anschlüsse an, hier wird „dank“ Fair Use nach 10 oder 15 Gigabyte im Monat genauso gedrosselt wie bei LTE. Mit SkyDSL allerdings hat sich ein Anbieter auf den Markt gewagt, der keine FUP, Fair Use Policy, im Vertrag stehen hat. Gedrosselt werden soll hier nicht, auch nicht wenn der Nutzer seine gesamte Steam-Bibliothek aus dem Orbit saugt. Preislich liegen hier 16 Megabit bei knapp 60 Euro im Monat – inklusive Miete für die recht teure Hardware. Kleinere Pakete bieten weniger Bandbreite, sind aber bereits ab 30 Euro im Monat erhältlich.

Genutzt wird der von Eutelsat betriebene Satellit Ka-SAT, der bei 9° Ost in einer geostationären Umlaufbahn einen großn Teil von Europa mit Internet versorgt. Insgesamt soll die Kapazität des Satelliten bei 70 Gigabit pro Sekunde liegen, aufgeteilt in mehrere Spot-Beams. Diese Beam-Technologie soll für eine gerechte Verteilung des Volumens unter den Nutzern sorgen und massive Einbrüche bei der Leistung verhindern. Für Up- und Download ist bei SkyDSL eine sogenannte TRIA (Transmit and Receive Integrated Assembly) verantwortlich. Die TRIA wird wie ein TV-LNB vor die 80cm-Schüssel montiert – auf Wunsch gibt es auch Befestigungsstücke, mit denen sich herkömmliche LNBs zusätzlich anbringen lassen, etwa um die Schüssel gleichzeitig auch für den TV-Empfang zu nutzen. Die TRIA verfügt bereits über eine Ausrichtungshilfe mittels eines integrierten Lautsprechers.

Nach der aufgrund der recht bescheidenen Anleitung etwas kniffligen Installation der Sat-Hardware und der Einrichtung der Verbindung – eine App, die Ausrichtungshilfe und ein beiliegender Kompass helfen bei der Einrichtung, sind aber leider keine Allheilmittel so dass der 99 Euro teure Aufbauservice schon aufgrund der mangelhaften Beschreibungen in Anspruch genommen werden sollte – steht die Verbindung dann recht schnell. Je nach Wetterlage und Tageszeit lassen sich per SkyDSL tatsächlich gute 2 Megabyte pro Sekunde herunterladen und auch der Upload weiß mit gut 800 Kilobit pro Sekunde zu gefallen.

Kritisch wird es dann allerdings in den Abendstunden – was „zwischen 17 und 24 Uhr sowie das gesamte Wochenende über“ bedeutet. Dann nämlich surfen offenbar sehr viele KA-Sat-Nutzer gleichzeitig im Netz, was die Datenraten massiv einbrechen lässt. So stark, dass teilweise selbst Webradio nicht mehr möglich ist. Der eben noch mit 2 MB/sek geladene Steam-Spieleknaller kriecht plötzlich mit zaghaften 10 Kilobyte pro Sekunde durch die Leitung. Und diese wenigen Kilobyte gibt es zudem nur in handlichen Häppchen – da tut sich dann auch schon einmal für 10 Sekunden gar nichts bis wieder zwei Sekunden lang geladen werden kann. Alltagstauglich ist das nicht, ohne eine Backup-Internetleitung wäre selbst die bereits als untauglich beschriebene 384-Kbit-Internetverbindung schneller.

Ein weiteres Problem für Onlinegamer ist die extrem hohe Latenz die durch die langen „Leitungswege“ entsteht. Von der Sat-Schüssel zum Satelliten benötigt ein Datenpaket etwa 250 Millisekunden, anschließnd wird es vom Satelliten noch zur Basisstation (in Deutschland steht diese für SkyDSL bei Göttingen) übertagen: weitere 250 Millisekunden. Dazu kommt noch etwas Zeit, die die Daten auf dem restlichen Weg zum jeweiligen Server benötigen. Latenzen zwischen 550 und 800 Millisekunden sind daher nicht nur keine Seltenheit sondern Alltag. Für Shooter und selbst für gemächliche Strategiespiele definitiv viel zu viel. Spielen lässt es sich so nicht. Selbst VoIP zickt aufgrund der Latenzen vereinzelt herum. Alle zeitkritischen Internetdienste sind mit Sat-DSL passee.

Was bleibt dem armen Landbewohner? Nichts. Petitionen an die Regierung schreiben, eine eigene Partei gründen, hoffen dass ein Internetprovider sich erbarmt den Ausbau zu starten. Oder viel Geld in LTE-Volumenaufstockungen stecken. Neuland kann eben auch schon einmal sehr teures und unwegsames Land sein.