Projekt Exodus – Vorbereitungen auf einen Raumschiffstart

 

Sie sind Roboter, geschaffen um den Menschen zu dienen. Doch sie begehren auf um die Menschheit zu vernichten. Und sie haben einen Plan..

 

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© Projekt Exodus
 

In der TV-Serie Battlestar Galactica, wir sprechen hier vom Reboot der 1970er-Jahre-Serie „Kampfstern Galactica), haben die Zylonen die Kolonien vernichtet. Nur eine kleine Flotte ziviler Flüchtlingsschiffe und dem Kampfstern Galactica hat den Angriff überlebt und flüchtet vor den Roboterwesen.
 

Kurz vorher beginnt die Handlung von Projekt Exodus, dem Bildungs-Liverollenspiel, über das wir bereits vor einiger Zeit berichtet haben. Das Frachtschiff „Hesperios“ fängt die Signale einer Rettungskapsel auf – doch diese Rettungsmission erweist sich als viel mehr als nur Routine. Verschiedene Fraktionen – Militär, Wissenschaftler, die Crew der Hesperios und die Flüchlinge – sind fortan auf der Hesperios eingesperrt, denn der Rückweg zu den Kolonien ist versperrt. Die Kolonien existieren nicht mehr, die Zylonen durchstreifen den Weltraum auf der Suche nach Ãœberlebenden.
 

In dieser Situation werden sich im Februar 80 Spieler des Bildungs-Liverollenspiels wiederfinden. Die 35-köpfige Orga des Projektes arbeitet bereits seit September hart und unermüdlich an der Realisierung, verschiedene Teams kümmern sich um Aufgaben wie Technik, Plot, Charaktererschaffung, Öffentlichkeitsarbeit, Kostüme, Requisite, Logistik und Sicherheit. Im Hintergrund werden sie unterstützt von einer Vielzahl weiterer freiwilliger Mitarbeiter. Und so spannend wie die Handlung im Februar auch sein wird, bereits die Realisierungsphase war für die Organisatoren ein fesselndes Erlebnis mit vielen glücklichen Momenten aber auch mit Rückschlägen und der stetigen Angst, dass am Ende doch noch eine Kleinigkeit für einen Abbruch von Exodus sorgen könnte.
 

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© Projekt Exodus
 

Ein wichtiger Fixpunkt war die Bewilligung der finanziellen Mittel durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Der Projektträger basa e.V. hätte ein Mammutprojekt wie Exodus nie ohne weitere Hilfen stemmen können. Denn auch wenn jeder der Teilnehmer zwischen 250 und 300 Euro Teilnahmegebühr bezahlt, wären die so erlangten Einnahmen nur ein Tropfen auf den heißn Stein gewesen. Projekt Exodus findet auf einem echten Zerstörer, der „Mölders“ im Marinemuseum Wilhelmshaven, statt. Die Spieler bekommen professionell gefertigte Kostüme, maßgeschneidert auf ihre Körpermaß. Unterkunft und Verpflegung ist inklusive, dazu gibt es Requisiten für das Spiel gestellt. Die Dekoration und vor allem auch die Technikumbauten auf der Mölders sind ebenfalls nicht gratis zu bekommen. Vor allem in der Endphase der Vorbereitungen arbeiten einige der Organisatoren in Vollzeit an Exodus – und sogar noch etwas mehr als Vollzeit..
 

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© Projekt Exodus
 

Die Bundeszentrale für politische Bildung sagte ihre Mittel zu, da das Konzept des Spieles auch die politische Bildung beeinhaltet. So werden die Spieler untereinander Konflikte austragen, schon zwangsläufig aufgrund der beklemmenden Situation aber auch aufgrund der entsprechend gestalteten Charakter-Hintergrundinformationen. Die Situation und Reaktion von 80 auf engem Raum eingepferchten Menschen ist zusätzlich spannend zu beobachten und auszuwerten.
 

Nach der erfolgreichen Suche nach einer Location – die Mölders ist tatsächlich der perfekte Ort für Exodus und die Crew des Museums mehr als nur hilfsbereit – ging es an die weiteren Arbeiten. Einige Kostüme wurden von Monitor Celestra übernommen, die sehr aufwändige Software der Schiffssysteme stammt von einem Galactica-LARP namens Twelve Colonies. Das Technikteam experimentierte im Anschluss mit verschiedenen Rechnerkonfigurationen herum. Einerseits sollte die Software problemlos und ausreichend schnell laufen, andererseits das Budget nicht zu stark beansprucht werden. Mit Mindfactory wurde ein Kooperationspartner gefunden, der praktischerweise direkt vor Ort seinen Sitz hat und zudem das Budget mit Rabatten schont. Nachdem als Rechner bereits Raspberry Pi und Banana Pi geprüft und verworfen wurden, entschied sich das Team schon aus Gründen der Flexibilität für eine Konfiguration auf Basis von AMDs Kabini-Semprons. Diese Quadcores konkurrieren mit Intels Atoms, bieten aber mehr Grafikleistung, was für das Exodus-System nicht unpraktisch war. Preislich sind die Systeme recht interessant, kostet doch ein Prozessor (AMD Sempron 3850 für AM1) weniger als 30 Euro, ein dazu passendes Mainboard sogar nur 25 Euro. Für den Einsatzzweck reichen zwei Gigabyte RAM. Beim Netzteil hingegen musste ein Modell für 110 Volt Spannung genutzt werden – die Mölders ist in den USA gebaut worden und nutzt an Bord 110 Volt mit US-Stromsteckern. Einige nachträglich montierte Dosen führen zwar 240V, diese sind aber nicht überall funktionsfähig.
 

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© Projekt Exodus
 

An einem sehr arbeitsreichen Wochenende in Wilhelmshaven, an dem auch gleich die Quartiere der Spieler ausgetestet wurden, bastelte das Technikteam die Rechner zusammen und installierte Betriebssystem (Windows 7, Lizenzen hatte der Projektträger noch ausreichend übrig) und weitere Software. Mit rot-geränderten Augen wurde dann am kommenden Tag die Brücke der Hesperios mit funktionierenden Terminals in Szene gesetzt. Gerade rechtzeitig für die ersten Pressevertreter, die etwas erstaunt waren, die beeindruckend die Atmosphäre bereits ist.
 

Projekt Exodus ist aber nicht nur Technik, auch wenn mehrere hundert Meter Netzwerkkabel unsichtbar auf dem Schiff verbaut wurden und alles ansprechend abgewrackt-modern erscheint. Die Spieler sollten eine Webseite vorfinden, auf der nicht nur alle wichtigen Informationen zu sehen sind sondern auch eine Anmeldung für das Spiel, die über gängige LARP-Anmeldungen hinausgeht. Tatsächlich wurden zahlreiche Punkte abgefragt, inklusive eines von Jagged Alliance 2 inspirierten Psycho-Tests, der sich auf den zu spielenden Charakter bezog. Dem Team standen nun allerdings viele Daten für den Kundenkontakt und die Charakterverteilung zur Verfügung, so dass jeder Spieler nicht nur ein gut sitzendes Kostüm bekommen dürfte, sondern auch eine hoffentlich perfekt passende Rolle einnehmen wird.
 

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© Projekt Exodus
 

Um die Spieler auf die Hesperios einzustimmen, gibt es auf der Homepage sogar in regelmäßigen Abständen Kurzgeschichten, die die Vorgeschichte des Schiffes erzählen. Diese sind auch für Nichtspieler interessant zu lesen – und wer schon einmal auf der Mölders war, dürfte die Raumaufteilung in vielen Szenen wiedererkennen.
 

In der Woche vor dem eigentlichen Spiel beginnt die letzte heiß Phase. Die Organisatoren und zahlreiche freiwillige Helfer werden erneut nach Wilhelmshaven reisen um die Mölders final umzubauen. Am 04.02. startet dann die Anreise der Spieler – das Spiel war bereits nach wenigen Tagen komplett ausverkauft. Der Anreisetag und ein Teil des Folgetages werden noch von Vorbereitungen der Spieler geprägt sein. Kostüme werden ein letztes mal angepasst, Charkterinformationen werden besprochen, Requisiten verteilt. LARP-unerfahrenen Spielern werden Tipps mitgegeben, es wird kleine Probespiele zur Vorbereitung geben und viel Zeit sich kennenzulernen. Die Raumschiffcrew wird die Steuerung ihres „Babys“ kennenlernen und vor dem Spiel genug Zeit im Schiff verbringen, um sich später nicht mehr zu verlaufen. Diesen Luxus werden die zivilen Flüchtlinge nicht haben – sie sollen sich ja schließlich gar nicht auskennen um mit der neuen Situation noch etwas stärker zu kämpfen. Und das nach einem bereits sehr fordernden Aufenthalt in der Rettungskapsel (zu diesem Zwecke kommt das neben der Mölders stehende U-Boot zum Einsatz).
 

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© Projekt Exodus

 

Die folgenden 1,5 Tage wird in insgesamt vier Episoden gespielt. Jede Episode dauert bis zu acht Stunden. Gegessen wird, sollte kein extrem schlechtes Wetter dazwischenkommen, direkt auf dem Schiff, also „in Game“. Der Schiffskoch wird dazu in der Cafeteria der Mölders/Hesperios auftischen – dort wird es auch Getränke und Obst für die Spieler geben, so dass niemand hungern muss. Und sogar für die Speisen hat sich das Team noch die eine oder andere Ãœberraschung ausgedacht..
 

Wer am Spiel nicht teilnehmen kann oder will, bekommt dennoch nach dem Spiel eine Chance, sie die Hesperios in voller Pracht anzuschauen: Am 08.01., die Spieler befinden sich am diesem Tag in einer nachbehandelnden Reflexion des Spieles, steht das Schiff allen Interessierten offen. Es ist lediglich der Museumseintritt von 11 Euro zu zahlen. Dekoration, Lichtinstallationen und sogar einige kostümierte Personen sorgen an diesem „Tag des offenen Raumschiffes“ für Abwechslung und Unterhaltung auf der Mölders.
 

Das gesamte Team von Projekt Exodus ist extrem gespannt, ob die Vorbereitungen gereicht haben, ob alle sicher noch aufkommenden Probleme gelöst werden können. Dass die Spieler Spaß haben werden ist aber sicher. Die Atmosphäre ist bereits zum Pressetermin auf der Hesperios-Brücke einmalig gewesen. Zu den Klängen der Serienmelodie, mit rotem Alarmlicht und dem dauerhaften „wuusch“ des Dradis hatte jeder der Anwesenden eine Gänsehaut.

So say we all..

 

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© Projekt Exodus
 

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