Gefälschte Nvidia-Grafikkarten im Umlauf

 

Einer Meldung von Heise-Online zufolge, befinden sich aktuell einige Grafikkarten der Typen Geforce GTX 650 TI (4096 MB VRAM) und GTX 660 (4096 MB VRAM) im Handel, bei denen ein deutlich schwächerer Grafikchip verbaut und durch ein gefälschtes BIOS verborgen ist.
 
(Bild: ist nur eine Illustration und hat keinen Bezug auf die besagten Modelle)

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Die nagelneue Grafikkarte arbeitet nicht so schnell wie vergleichbare Modelle? Das kann viele Gründe haben und die meisten Nutzer schieben die Schuld wohl zuerst auf einen zu langsamen Prozessor, ein vermülltes Windows oder Fehler im jeweiligen Spiel, Treiber oder Benchmark. In vielen Fällen sicherlich zurecht. Einen genaueren Blick sollte eine deutlich zu langsame Grafikkarte allerdings schon wert sein, denn es sich gefälschte Karten im Umlauf.
 

Zahlreiche Shops wurden mit den Grafikkarten beliefert

So wurden über den Großhändler Kosatec Nvidia-Grafikkarten mit dem Produktnamen „GTX 660 4096MB Nvidia Bulk“ verkauft, auf denen ein deutlich langsamerer und älterer Grafikchip arbeitet. Die Bilder der Karte zeigen ein Modell der Firma Zotac, die sich von den Karten allerdings distanziert und angekündigte, die Rechtsabteilung einzuschalten.
 

Der Großhändler hat die entsprechenden Karten an zahlreiche Online-Shops ausgeliefert, wo sie zu Preisen von etwa 160 Euro teilweise noch immer verkauft werden. Der Preis ist damit noch nicht einmal auffallend niedrig, offenbar hat Kosatec einen recht hohen Preis für die gefälschten Karten gezahlt oder der Großhändler (oder auch der weiterverkaufende Shop) freute sich über eine ordentliche Gewinnspanne im ansonsten sehr straffen Grafikkartenmarkt.
 

Wird die Karte mit einem Tool wie GPU-Z (GPU-Z Download) ausgelesen, sind zahlreiche Punkte festzustellen, die stutzig machen sollten: So ist die Vendor-ID, die Herstellernummer also, durch 0000 ersetzt worden. Es wird daher kein Hersteller angezeigt. Der Speicher wird als DDR3 mit auffallend niedrigen Taktraten ausgelesen – diese Daten stimmen, zeigen aber schon die geringe Leistungsfähigkeit der Karte.
 

Im BIOS.rom der Karten findet sich zudem ein Hinweis darauf, dass es sich um Karten mit einem alten Fermi-Chip namens GF106 handelt. Dieser verfügt über lediglich 144 Shadereinheiten und nicht über die 960 Einheiten der GTX 660. Auch der Speicher ist mit 17,06 Gigabyte pro Sekunde deutlich langsamer als der einer GTX 660 mit 144,2 Gigabyte pro Sekunde.
 

Der beschriebene Fermi-Grafikchip ist mittlerweile gut vier Jahre alt, gehörte zu OEM-Grafikkarten der Serie GT 440 und arbeitete daher auf Karten der 60-Euro-Klasse. Wohlgemerkt, 60 Euro im Jahr 2010. Da aber auch die GT 440 bereits DirectX 11 unterstützte, dürften viele Nutzer abseits der geringeren Leistung keinen Unterschied zur echten GTX 660 feststellen – und wenn den Nutzer die Erfahrung mit der Grafikkartenperformance fehlt, ist auch die Leistung nur schwer einzuschätzen.
 

Gefälschte Grafikkarten auch in wurden Komplettsysteme verbaut

Vorsicht ist aber nicht nur beim Direktkauf der Grafikkarten geboten. Auch zahlreiche Komplett-Systeme wurden in den letzten Jahren mit deutlich langsameren Grafikkarten ausgeliefert als es den Anschein erweckt. In asiatischen Online-Shops werden noch immer vermeintliche GTX 770 zu Preisen ab 50 US-Dollar angeboten, direkt mit dem Hinweis, dass es sich nicht um Originale handelt und dass die Leistung geringer liegt als bei normalen GTX 770. Einige zwielichtige Hersteller von Komplett-Systemen, wie sie auch in der eSport-Szene genutzt werden, nutzen diese Chance um ihren Gewinn auf Kosten der Käufer zu erhöhen.

Kontaktiert uns wenn euch was auffällt

Fällt euch eine Unregelmäßigkeit bei GPU-Z oder eine viel zu geringe Performance der Karte auf, schickt uns eine Mail und wir werden uns mit euch in Verbindung setzen. Am besten ist es, wenn ihr einen Screenshot von GPU-Z mitsendet.

Nvidia war laut Heise bislang noch nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Kosatec hat die Karten aus dem Sortiment genommen und will die belieferten Händler informieren. Ebenfalls betroffen könnte ein weiteres Modell aus dem Bestand von Kosatec sein: Die GTX650 4096MB Nvidia Bulk“. Wer eine Grafikkarte vom Typ „GTX660 4096MB Nvidia Bulk“ oder „GTX650 4096MB Nvidia Bulk“ erworben hat, sollte sich an den jeweiligen Händler zwecks Rückgabe wenden.